Unsere Geschichte
Unsere noch junge Kongregation gibt es seit 2022. Das heißt aber nicht, dass sie keine längere Geschichte hat. Ihre Wurzeln liegen in der Böhmischen Kongregation von 1923. Sowohl davor als auch danach prägen wechselvolle Jahre die Geschicke der einzelnen Klöster.
Der Anfang: Die Carta Caritatis
Die Carta Caritatis, also die „Verfassung“ des Zisterzienserordens, wurde vor gut 900 Jahren päpstlich approbiert und war eine Neuheit in der Ordensszene: Ein Klosterverband, der wirklich ein Orden war, also zentralistisch organisiert (nicht föderalistisch, wie die Benediktiner), aber durchaus synodal strukturiert. Dabei diente das Generalkapitel, eine Versammlung aller Äbte des Ordens, als höchste Instanz – für die damalige Zeit unglaublich demokratisch.
Aber durch die schnelle große Ausbreitung des Ordens über tausende von Kilometern Entfernung war es bald nicht mehr realistisch, dass alle Äbte jedes Jahr nach Cîteaux zum Generalkapitel kamen. So wurde irgendwann eine Unterstruktur notwendig, die vom auf Cîteaux bezogenen Zentralismus absieht und das Große im Kleineren abbildet – einfach damit es funktionieren kann. So kam es zur Bildung von regional geprägten Kongregationen. Die kastilische ist die älteste und 1425 entstanden. Diese Entwicklung setzte sich dann fort. Bis zur Französischen Revolution 1789 gab es im Orden neun Kongregationen, die oft auch „monastische Kongregationen“genannt wurden, und von denen vier bis heute noch existieren.
Zusammenbruch und Wiederfindung: Die Zeit der Französischen Revolution
Die Französische Revolution stellte für den Orden, deren „Herz“ in Cîteaux schlug, einen großen Einschnitt dar. Klöster wurden aufgehoben, geplündert und gebrandschatzt, Mönche und Nonnen wurden verfolgt, vertrieben, gar ermordet. Nach der Französischen Revolution um 1800 gab es kein
Generalkapitel mehr, auch keine Konstitutionen des Ordens, die man hätte dem neuen Stand anpassen können. Der Orden formte sich langsam neu, und zwar aus der Vereinigung von drei Kongregationen (die Italienische, die Belgische und die Österreichisch-Ungarische), die zunächst jeweils ihre eigene rechtliche Natur hatten. Später kam dann jene von Sénanque dazu, dann die von Casamari usw., einige andere Kongregationen verschwanden inzwischen wieder. Es war eine sehr dynamische Zeit des Ringens und des eigenen Wiederfindens.
18. und 19. Jahrhundert: Die Zeit der Vikariate
Die Österreichische Zisterzienserkongregation, lat. Congregatio Austriaca, ging aus dem „Vikariat Österreich“ hervor, das im 17. Jahrhundert noch vom Generalkapitel des Ordens gegründet worden war. 1731 wurden die Statuten der Kongregation ausgearbeitet. Nach der Unterdrückung mehrerer Abteien durch Kaiser Joseph II. wurden 1859 die überlebenden Abteien erneut zusammengefasst: die ungarischen Klöster (Zirc und seine Priorate), zwei böhmische (Osek und Hohenfurt), die österreichischen Abteien und die beiden polnischen Klöster Mogiła und Szcyrzyc. Diese österreichisch-ungarische Zisterzienserkongregation wurde 1923, nach dem Zerfall der
Donaumonarchie, in drei verschiedene Kongregationen geteilt: die Österreichische Kongregation vom Heiligsten Herzen Jesu, die Zircer Kongregation und die Böhmische Kongregation vom heiligsten Herzen Mariens, deren Klöster bis dahin teilweise zum Böhmischen Vikariat gehörten.
Die Böhmische Kongregation: Fast 100 Jahre wechselvolle Geschichte
Die böhmische Kongregation vom Reinsten Herzen Mariens, lat. Congregatio Purissimi Cordis B.M.V., bestand von 1923 bis 2014. Sie war zunächst eine Vereinigung der tschechischen Zisterzen Hohenfurt und Osek sowie Porta Coeli und der Lausitzer Abteien St. Marienthal und St. Marienstern. Auch ihr bescherten die politischen Umstände unruhige Zeiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Hohenfurt und Osek vom kommunistischen Regime der Tschechoslowakei unterdrückt. Das führte dazu, dass 1959 Hohenfurt kanonisch mit dem österreichischen Stift Rein vereint wurde; erst 1991 wurde diese Vereinigung wieder gelöst –Hohenfurt blieb aber Teil der Österreichischen Kongregation. Ähnlich erging es Osek. Die Gemeinschaft dieser formal noch bestehenden Abtei wurde vertrieben und lebte in deren abhängigen Prioraten Langwaden (Westdeutschland) und Rosenthal (bei St. Marienstern), die wie Osek zur böhmischen Kongregation gehörten. Langwaden wurde 2004 selbstständig und direkt in den Orden inkorporiert und schied damit aus der Kongregation aus; Rosenthal starb mit dem Tod der letzten beiden Mönche 2006 aus. Das führte schließlich auch zur kanonischen Auflösung der Abtei Osek im Jahre 2008.
Schon am 16. Juni 2007 wurde die Kongregation vom Reinsten Herzen Mariens in eine Frauenkongregation umgewandelt, mit einer gewählten Äbtissin Präses. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Kongregation aus den Abteien St. Marienthal, St. Marienstern, Porta Coeli und Sostrup, einer 1999 in Dänemark gegründeten Tochter von Porta Coeli. Aber schon 2008 schloß sich die mährische Abtei Porta Coeli der Mehrerauer Kongregation an, 2011 schied Sostrup aus dem Zisterzienserorden aus (Gründung einer eigenen religiösen Gemeinschaft).
In den Jahren 2011 und 2012 führte eine Apostolische Visitation zur Neuordnung der Kongregation; sie wurde dem Heiligen Stuhl direkt unterstellt, der Generalabt wurde als Päpstlicher Kommissar eingesetzt.
Per Dekret des Hl. Stuhls vom 6. November 2014 wurde diese Frauenkongregation aufgelöst und die verbleibenden Klöster St. Marienstern und St. Marienthal direkt dem Orden inkorporiert, mit dem Generalabt als Pater Immediatus.
2022: Eine neue Kongregation entsteht
Succisa virescit – so das Motto von Montecassino: Der gefällte Baum treibt neu. So ist es nun auch mit der böhmischen Zisterzienserkongregation vom Reinsten Herzen Mariens. Der neue Trieb aus der alten Wurzel nach 99 Jahren ist keine Reanimierung des Alten, sondern tatsächlich ein ganz
neues Konstrukt. Das Kloster Helfta, 1542 säkularisiert, wurde 1999 von Seligenthal aus besiedelt und seitdem ein eigenständiges Priorat, also direkt in den Orden inkorporiert (wie auch Seligenthal selbst). Heute geschieht die reguläre Zugehörigkeit eines Klosters zum Orden aber über diejenige zu
einer monastischen Kongregation; die unmittelbare Inkorporation in den Orden stellt eine Ausnahme dar. Daher war es nur sinnvoll, dass diese vier „kongregationslosen“ Klöster in der Mitte Deutschlands zusammenfanden. Nach anfänglichen regelmäßigen Treffen der Gemeinschaften wurde 2022 eine neue Kongregation errichtet, die ihre Wurzeln in der Böhmischen Kongregation sieht. Die drei von dieser kommenden Klöster St. Marienthal, St. Marienstern und Langwaden sowie das Kloster Helfta bildeten die Kongregation von der Heiligen Gertrud der Großen. 2025 kam als erstes neues Mitglied die Abtei Seligenthal hinzu.